
Frösche auf Wanderschaft – quer über die Strasse
Sind sie wieder unterwegs: Kaum wird es mild, machen sich Frösche, Kröten und Molche auf den Weg – und landen dabei genau dort, wo sie nicht hingehören: auf der Strasse.
Regina Maier
Am Montag wurden an der Mattastrasse auf einer Länge von rund 100 Metern links und rechts Zäune errichtet. Eine einfache Massnahme, die entscheidend für das Überleben von Amphibien ist, die jedes Jahr denselben Weg gehen.
Initiiert wurde der Amphibienzaun von der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz in der Schweiz. Beim Aufbau halfen vier angehende Jäger, die diese Arbeit im Rahmen ihrer Ausbildung leisten.
Ein routinierter Weg
Amphibien verbringen den Winter an Land – verborgen in Mauern, im Boden oder im Wald. Sobald Temperatur und Feuchtigkeit stimmen, setzen sie sich in Bewegung. Oft über mehrere hundert Meter, teilweise über Kilometer hinweg. Ihr Ziel ist dabei kein beliebiges Gewässer, sondern genau jener Ort, an dem sie selbst geschlüpft sind.
Nach dem Laichen machen sie sich wieder auf den Rückweg. Dabei orientieren sie sich an festen Mustern, die über Jahre bestehen bleiben. Da spielt es keine Rolle, dass in der Zwischenzeit Strassen ihre gewohnte Route kreuzen, was ihnen mehr und mehr zum Verhängnis wird.
Eine einfache Lösung
Die Lösung ist einfach und seit den 1970er-Jahren erprobt: Zäune lenken die Tiere, statt sie aufzuhalten. Entlang der rund 40 Zentimeter hohen Barriere wandern die Tiere so lange, bis sie in einen der eingegrabenen Eimer fallen. Morgens und abends werden sie eingesammelt und auf die andere Strassenseite gebracht. Dabei wird auch darauf geachtet, dass die Rettungsmassnahmen keine Gefahren für andere Tiere schaffen: Löcher im Boden der Eimer verhindern, dass sich Wasser staut, und eingelegte Stöcke bieten die Möglichkeit, wieder herauszuklettern.
Besonderer Fall Mattastrasse
An der Mattastrasse liegen zwei Lebensräume nah beieinander: Auf der einen Seite liegt mit dem Tümpel beim Golfplatz ein aktives Laichgewässer. Auf der anderen Seite befinden sich geeignete Winterquartiere, etwa in Steinmauern und im Boden. Die Tiere bewegen sich zwischen diesen Bereichen hin und her. Aus diesem Grund stehen hier beidseitig Schutzzäune.
Komfortlösung an der Clavadelerstrasse
Auch an der Clavadelerstrasse wurde ein Zaun errichtet. Hier genügt jedoch ein Zaun auf einer Seite, da die Tiere nur in eine Richtung wandern. Zudem müssen hier die Tiere nicht gesammelt und von Hand über die Strasse getragen werden. Im Zuge von Belagsarbeiten konnte unter der Strasse ein Durchlass erstellt werden, der von den Amphibien genutzt wird. Ein Zaun genügt zur Führung.
Ein kurzes Zeitfenster
Wann die Wanderung genau einsetzt, lässt sich nicht exakt vorhersagen. Entscheidend sind milde Temperaturen und feuchte Witterung. Oft konzentriert sich das Geschehen auf wenige Tage oder Nächte innerhalb eines Zeitfensters von wenigen Wochen. Dann sind besonders viele Tiere gleichzeitig unterwegs – und genau dann schützt sie der Zaun.


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Alle BeiträgeAmphibien: Gefahr und Schutz
Warum sie gefährdet sind:
- Verlust von Feuchtgebieten und Laichgewässern
- Strassen zerschneiden ihre Wanderwege
- hohe Verluste im Verkehr
- Belastung durch Landwirtschaft
- zunehmende Wetterextreme
- Wie ihnen geholfen wird:– temporäre Schutzzäune mit Eimern zur Wanderzeit
- freiwillige Helfer tragen die Tiere über die Strassen
- este Unterführungen und Durchlässe unter Strassen
- Schaffung und gezielte Aufwertung von Laichgewässern
- Vernetzung von Lebensräumen (ökologische Korridore)
