
Braumeister Basti Degen.
Zwischen Tradition und Trends
Bier hat eine jahrtausendealte Geschichte und passt sich ständig der Zeit an. Zwischen Reinheitsgebot und neuen Trends kämpfen Brauereien um Relevanz und Qualität. Bier bleibt aber Kultur, Handwerk und Genuss zugleich.
Yves Weibel
Ein Hopfentee am See. Ein Gersten-smoothie im Après-Ski. Ein Stück flüssiges Glück zum Frühstück. Bier. Ein Getränk, das so alt ist wie die Menschheit selbst. Schon in der Antike galt es als Grundnahrungsmittel. Erste schriftliche Brauverfahren auf Tontafeln sind rund 6000 Jahre alt. Das erste bekannte «Reinheitsgebot» stammt aus dem Codex Hammurapi – circa 1700 vor Christus – im alten Mesopotamien, das Panscher noch hart bestrafte. Zugegeben, dies hat sich mit Blick auf die Getränkeregale in der heutigen Zeit doch sehr verändert. Würde man «Panscher» heute noch bestrafen, hätten wir wahrscheinlich keine Brauereien mehr. So sieht man heute neben klassischen Bieren, die noch immer nach dem modernen, hier bekannten deutschen Reinheitsgebot von 1516 gebraut werden, viele, ganz viele, sagen wir mal «Biermischgetränke». Ja, aus Wasser, Hopfen und Malz wurde über die Zeit Wasser und was halt sonst grad noch so rumliegt.
Passt Bier noch in die Zeit?
Es ist ein Trend, der schon länger zu beobachten ist. Während der durchschnittliche Bierkonsum pro Jahr, laut verschiedenen Quellen, noch bei rund 70 Litern pro Kopf lag, ist dieser 2025 auf etwa 50 Liter pro Kopf geschrumpft. Die Menschen wollen gesünder, bewusster leben. Da passt Alkohol vielfach nicht mehr ins Bild. Dieses Verhaltensmuster hat natürlich dafür gesorgt, dass sich auch die Brauereien anpassen mussten und müssen. «Wir sehen einen klaren Trend weg vom klassischen Bier», bestätigt auch Basti Degen, Geschäftsführer und Braumeister, der «BierVision Monstein AG». «Natürlich ist Bier längst kein Grundnahrungsmittel mehr. Aber als Genussmittel sehe ich nach wie vor viel Potenzial. Bier ist nicht per se ungesund. Es kommt wie bei so vielem im Leben auf das Mass an.»
Brauereien müssen mit der Zeit gehen
Doch hat es sich noch nie in der Geschichte gelohnt, sich gegen einen Trend zu wehren oder sich ihm zu verschliessen. So haben sich eben auch die Brauereien in den letzten Jahren breiter aufgestellt. Von den grossen Playern bis hin nach Monstein. «Wir haben mittlerweile eine breite Angebotspalette. Von alkoholfreien Getränken bis hin zum klassischen Bier. Man darf nicht stehen bleiben und muss sich auch der Zeit anpassen», erklärt Basti. «Aber auch wenn wir die Augen stets offen haben und mit neuen Produkten, die den Geist der Zeit widerspiegeln, auf dem Markt präsent sind, ist mir das Wichtigste, dass wir unser Kerngeschäft – das Bier – auf keinen Fall vergessen.» So sieht man den Schriftzug «Monsteiner» schon lange nicht mehr nur auf den klassischen Bieren. Die Brauerei hat schon länger auch alkoholfreie Alternativen im Angebot.
Monsteiner «Eistee» anstatt klassischem Huusbier
So kommt beispielsweise ab dem 1. Mai der «Sunni Sprudel» auf den Markt. Mit Bier hat das Getränk etwa so viel am Hut wie Italien die letzten Jahre mit der Fussball-WM. So geht es mehr in Richtung einer erfrischenden Kräuterlimonade. Perfekt halt für den Sommer. «In der heutigen Zeit braucht man solche Alternativen zum Bier. Deshalb sind wir auch als kleine Brauerei stets dabei, uns und unsere Produktpalette weiterzuentwickeln und über den Tellerrand – oder das Bierglas – hinauszuschauen. Natürlich braucht auch jedes neue Produkt wieder Anlaufzeit», so der Braumeister.
Ja, vielleicht braucht es etwas Anlaufzeit, bis der «Sunni Sprudel» wirklich ins Bild passt. Verbindet man doch mit der kleinen Lokalbrauerei im Monstein logischerweise die diversen Bierspezialitäten. Bereits etwas mehr als 15 sind es an der Zahl. Vom klassischen Hellen bis hin zu Märzen, Amber und Schwarzbier gibt es ziemlich etwas für jeden Geschmack. Was aber klar ist, ist, dass die Biere klar nach dem Reinheitsgebot gebraut werden. «Uns ist es sehr wichtig, dass wir mit qualitativ hochwertigen Produkten aus der Region arbeiten, um das bestmögliche Produkt zu zaubern», erklärt Basti.
Mit Kerngeschäft mehrfach zu Gold
Das hat man im Monstein definitiv geschafft. Denn an den diesjährigen «Swiss Beer Awards» wurden wiederum drei ihrer Biere ausgezeichnet. Der «Swiss Beer Award» ist die nationale Prämierung für Biere aus der Schweiz und Liechtenstein, die alle zwei Jahre durchgeführt wird. In diesem Jahr wurden 531 Biere in diversen Kategorien von Experten und im Labor bewertet und ausgezeichnet. Mit dem Hellen Doppelbock «Chrönler» und dem Amber «Wättergouge» sahnte die «BierVision» zweimal eine Goldprämierung ab. Und auch das Weizenbier «Heusträffel» wurde gerühmt. «Wir sind sehr stolz, dass wir an den Awards wieder abräumen konnten. Das bestätigt uns immer wieder», meint der Braumeister stolz. So hat man bereits in den vergangenen Jahren immer wieder Auszeichnungen mit nach Hause nehmen können.
«Es ist die Bestätigung, dass wir gut sind»
Doch aus welchem Grund will die Lokalbrauerei am gesamtschweizerischen Award glänzen? Will man mit den Erfolgserlebnissen nun ins Unterland exportieren? Dies kann Basti verneinen: «Für uns sind die Awards mehr eine Qualitätskontrolle. Von der Etikette bis zum Geschmack wird alles auf Herz und Nieren geprüft. Da sieht man schnell, ob man gut ist oder nicht. Zudem ist es immer förderlich, wenn eine fremde Jury die Produkte bewertet. Man sieht einfach, wo man steht. Es gibt schon eine gewisse Aufmerksamkeit. Gebe ich zu. Aber wir wollen deshalb überhaupt nicht expandieren. Wir sind in der Region verwurzelt und wollen so auch einfach hier gutes Bier für die Menschen brauen. Natürlich ist es aber auch geil, dass wir in verschiedenen Kategorien besser waren als grosse Brauereien.»
Regionale Braukunst als Teil der Identität
Ja, Bier begleitet die Menschen schon seit Jahrtausenden. Es hat sich vom Grundnahrungsmittel zum Genussmittel entwickelt. Was früher zum Überleben gebraut wurde, ist heute beinahe eine Kunstform. Brauereien haben und werden sich auch in Zukunft an Trends anpassen. So hat sich die Zahl der Brauereien in der Schweiz in den letzten zehn Jahren beinahe verdoppelt. Heute gibt es rund 1200, über die Schweiz verteilt. Damit ergibt sich die höchste Dichte pro Einwohner europaweit. So ist Bier hierzulande mehr als ein Getränk, es zählt gar zur regionalen Identität. Und auch wenn der Bierkonsum in den letzten Jahren eher rückläufig war, so ist es doch schön zu sehen, dass in Davos zwei kleine Unternehmen die Region mit bestem Bier versorgen. So produzieren die «BierVision Monstein» und die «Davoser Craft Beer Brauerei» rund 240 000 Liter pro Jahr. Aber ob Hopfentee am See oder Gerstensmoothie im Après-Ski – Bier bleibt mehr als ein Getränk. Es ist Handwerk und Heimat. Vielleicht ändert sich der Geschmack, nie aber die Geschichte.
Heute, am 24 April, wird der Bierbrunnen offiziell angezapft, und es gibt in der Brauerei im Monstein von 16 bis 19 Uhr Freibier


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Alle BeiträgeTag des Schweizer Bieres
Heute ist der Tag des Schweizer Bieres. Endlich mal ein Tag, an dem es sich lohnt, aufzustehen. Immerhin gibt es mittlerweile für fast alles einen Aktionstag. Manche sind bekannter. Manche sind wichtig. Aber ganz ehrlich: Manche sind auch einfach nur da, damit sie da sind. Hätten Sie gewusst, dass jährlich am 21. Juni der internationale Tag des Dackels (World Dachshund Day) gefeiert wird? Und nicht minder wichtig, fällt genau auf diesen Tag auch der Weltyogatag. Bei solchen Aktionstagen muss man froh sein, dass es auch einen Tag des Schweizer Bieres gibt.
Wobei «Tag» fast etwas hoch gegriffen ist. Bier hält sich zum Glück nicht an Daten. Aber es ist da, wenn man es braucht. Der beste Freund des Menschen in flüssiger Form. Hätte es einen Schwanz, würde es wedelnd in der Kneipe, auf dem Balkon oder einfach in der Sonne zum Feierabend auf einen warten.
Ja, Bier ist kein Wundermittel. Aber es ist der Anfang und die Lösung ganz vieler Probleme. Nichtsdestotrotz bleiben auch mit der oder dem Schönen Blonden Probleme Probleme. Rechnungen bezahlen sich nicht von selbst. Termine verschwinden nicht einfach, und auch die grossen Fragen des Lebens lassen sich nicht wegtrinken. Aber das Menschsein wirkt mit dem kühlen Begleiter definitiv einfacher. Man sagt schneller etwas, hört auch extrem stupiden Ideen länger zu und kommt mitunter auf Ideen, die ohne Bier irgendwo zwischen Pflichtgefühl und Vernunft stecken geblieben wären. Entscheidungen fallen nicht unbedingt besser aus, aber sicher entschlossener – was bekanntlich schon die halbe Miete ist.
Und genau darin liegt vielleicht die grösste Stärke. Bier nimmt dem Leben nicht die Schwere, aber es verteilt sie gleichmässiger. Ein Berg an To-Dos ist plötzlich nicht mehr steil, sondern eher ein Hügel mit Aussicht. Vielleicht geht es gar nicht darum, dass Bier Probleme löst. Vielleicht geht es darum, dass es uns erlaubt, sie nicht ganz so ernst zu nehmen.
Der Tag des Schweizer Bieres ist also eine freundliche Erinnerung daran, dass nicht immer alles perfekt sein muss. Dass die besten Ideen erst nach dem zweiten Glas kommen. Und dass ein Feierabendbier nicht die Welt verändert – aber sehr wohl den Blick darauf.
